Oddset-Pokal: Victorias Elfmeter-Deja-vu in Uetersen


Und manchmal wiederholt sich Geschichte eben doch! Am Sonntag galt der SC Victoria Hamburg (Tabellen-Zweiter der Oberliga Hamburg) im Oddset-Pokal-Viertrunden-Duell beim TSV Uetersen, der in der Landesliga Hammonia nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge den sechsten Platz belegt. Doch am Ende triumphierten die klassentieferen Rosenstädter mit 9:8 im Elfmeterschießen ‒ und wiederholten damit einen Pokal-Coup, der ihnen bereits am 13. April 2009 gelungen war. Im damaligen Oddset-Pokal-Viertelfinale hatten die Uetersener gegen „Vicky“ ebenfalls im Entscheidungsschießen mit 3:1 das bessere Ende für sich (SportNord berichtete, siehe unten stehenden Link).

Bei der Neuauflage dieses Pokal-Duells erwischten die Hausherren im Rosenstadion überraschend den besseren Beginn: Über Yannik Kouassi und Maik Stahnke gelangte der Ball zu Jannek Laut, der aus 15 Metern freistehend rechts vorbei schoss (6. Minute). Wenn „Vicky“ im Ballbesitz war, attackierten die Hausherren ihren Gegner hinter der Mittellinie. Die erste gute Gäste-Chance entstand aus einem Fehler der Uetersener: An einer Freistoßflanke, die Marcel Rodrigues von der linken Seite hereingegeben hatte, sprang Philipp Kuschka vorbei und Kevin Koyro köpfte den Ball dann genau zu Gary Voorbraak, dessen Direktabnahme aber mittig auf TSV-Torwart Christopher Knapp kam (12.). Die nächste gute TSV-Chance gab es in der 23. Minute, als Koyro den Ball bei einem perfekten Angriff über die linke Seite nach vorne trieb und dann abermals Laut nach einer Linksflanke vom langen Pfosten aus gut gegen die Laufrichtung von SCV-Keeper Maximilian Richter köpfte ‒ doch der Ball hoppelte hauchdünn links vorbei. In der 26. Minute gingen dann die Gäste in Führung: Ex-Bundesliga-Profi Marius Ebbers nagelte den Ball aus 22 Metern ans Lattenkreuz und den Abpraller bugsierte Kangmin Choi von halbrechts aus an Keeper Knapp sowie dem auf der eigenen Torlinie stehenden Kuschka vorbei zum 0:1 ins Netz.

Die Rosenstädter ließen sich davon nicht beirren, sondern spielten weiter gut nach vorne: Kouassi köpfte den Ball an die Latte (42.), dann scheiterte Laut nach Kouassis Ablage an Richter (57.). In der 65. Minute gelang den Hausherren der verdiente Ausgleich: Einen Einwurf von Marvin Schramm ließ Stahnke abtropfen und Kouassi schoss aus 20 Metern zum 1:1 ein ‒ ein Traumtor! Danach hätten die Uetersener die Partie schon in der regulären Spielzeit für sich entscheiden können, ja müssen, doch der eingewechselte Jannick Prien zielte freistehend vorbei (67.). So ging es in die Verlängerung, in der erneut Prien das 2:1 auf dem Fuß hatte, doch seinen 16-Meter-Schuss wehrte Richter überragend ab (92.). Und nachdem TSV-Verteidiger Lennart Maack, der aufgrund von einer Bänderdehnung erst spät eingewechselt worden war, nach einem Stahnke-Eckstoß knapp vorbei geköpft hatte (97.), brachte Choi die Gäste nach einem Pass, den Dennis Theissen stark in den Rücken der TSV-Abwehr gespielt hatte, erneut in Führung (103.). In der 112. Minute entschied Schiedsrichter Stephan Timm (vom SC Egenbüttel) dann, als SCV-Akteur Stjepan Vego mit gestrecktem Bein gegen Stahnke einstieg, einen Strafstoß für die Heim-Elf. „Diesen Elfmeter kann man geben, man muss ihn aber nicht geben“, kommentierte TSV-Trainer Peter Ehlers die umstrittene Szene. Fakt ist: Der eingewechselte Uetersener Torjäger Marcel Jobmann verwandelte zum 2:2.

Dieses Ergebnis hatte bis zur 120. Minute Bestand, so dass das Elfmeterschießen als des Dramas letzter Akt folgte. Hierbei durften die Gäste zuerst schießen. Die ersten drei SCV-Spieler Sepehr Nikroo, Luis Hacker und Rodrigues trafen ebenso wie die Uetersener Kouassi, Stahnke und Jobmann. Den vierten Gäste-Elfmeter, den Jan-Ove Edeling noch nicht einmal unplatziert geschossen hatte, fischte Knapp stark aus dem Eck. Im Gegenzug scheiterte auch Raphael Friederich am ebenfalls stark reagierenden Richter. Der fünfte, sechste und siebte Victoria-Schuss, abgegeben von Thiessen, Choi und Torben Wacker, zappelten allesamt im Netz ‒ aber auch die Uetersener Knapp, Kuschka sowie Eddy-Morton Enderle trafen. Den achten Elfmeter der Gäste, den Julian Schmid zwar hart, aber zu mittig geschossen hatte, konnte Knapp parieren, indem er reaktionsschnell eine Hand hochriss. Dann verwandelte Prien nervenstark zum 9:8-Endstand, den die Uetersener natürlich ausgiebig bejubelten. Dass ein Elfmeterschießen immer auch ein Glücksspiel ist, steht außer Frage. Dennoch betonte Peter Ehlers nach der Pokal-Sensation, dass sein Team „am Ende verdient gewonnen“ habe. Diese Einschätzung begründete der Coach damit, dass die Uetersener „die besseren Torchancen“ hatten: „Wir hätten das Spiel schon in 90 Minuten oder spätestens in der Verlängerung für uns entscheiden können!“ Ein Sonderlob erhielten Kouassi, Laut und Stahnke von ihrem Trainer.

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