Bezirksliga 1: Keine Tore zum Abschied von der Wilhelmstraße

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Dieser Ballverlust des Elmshorners Farzad Ahmadi (links) gegen den Liether Philipp Matthiessen hätte in der Nachspielzeit beinahe noch den Siegtreffer der Gäste zur Folge gehabt.
(Foto-Credit: Johannes Speckner)

Väterliche Milde ließ Michael Homburg walten, als Dennis Altergott von halbrechts aus nur das Außennetz, nicht aber ins Tor getroffen hatte. „Er ist noch jung und der Winkel war spitz.“ Auch aufgrund dieser vergebenen Großchance trennten sich der FC Elmshorn und die SV Lieth am Freitagabend im Bezirksliga-Derby mit einem 0:0-Unentschieden. „Wir bleiben damit der Derby-Sieger“, erklärte SVL-Coach Nico Plocharska angesichts der Tatsache, dass seine Elf das Hinspiel vor sechs Wochen mit 3:0 gewonnen hatte. 


Dass das vorgezogene Rückrunden-Duell schon jetzt stattfand, lag daran, dass es sich um das Abschiedsspiel von der Wilhelmstraße handelt. „Und diesen Abschied wollten wir gerne mit einer stimmungsvollen Partie begehen“, erklärte FCE-Präsident Homburg. Dies gelang insofern, als dass aus einer positiven Mischung aus Interesse am Nachbarschaftsduell, dem Wunsch, noch einmal die Wilhelmstraße zu erleben und den für Mitte November milden Temperaturen 375 zahlende Zuschauer kamen. „Das war eine würdige Kulisse“, frohlockte Homburg.


Beinahe hätten die Zuschauer schon in der sechsten Minute das erste Tor gesehen, doch Ole Schedelgarn scheiterte von halbrechts aus am stark reagierenden Alan Kado im FCE-Gehäuse. „Da hätte er ruhig noch ein paar Schritte nach vorne gehen können“, urteilte Plocharska, der aber Schedelgarn keinen Vorwurf machte: „Im Juli ist ihm die Kniescheibe herausgesprungen – wir sind froh, dass er jetzt überhaupt schon wieder mitwirken kann, und wissen, dass ihm die nötige Spielpraxis fehlt.“ Zahlreiche weitere Leistungsträger, darunter Stürmer Dimitri Rawinski, fehlten den Klein Nordendern. „Unser Not-Team hat sich gut aus der Affäre gezogen“, stellte Plocharska zufrieden fest.


Hatten die Gäste in der ersten halben Stunde optische Vorteile, so gehörte die Schlussphase der ersten Halbzeit den Hausherren. „Da hatten wir einige gute Gelegenheiten“, befand Homburg. Nach einem guten Rückpass von Ayham Kado zögerte Max Fehlberg von halblinks aus aber zu lange, weshalb sich ihm der Liether Marvin Böttcher noch in die Schussbahn werfen konnte (27. Minute). Kurz darauf scheiterte erneut Fehlberg an SVL-Torwart Marian Rister (29.) Dann zielte Emmanuel Kwakye, der seine Schnelligkeit nur selten gewinnbringend einsetzen konnte, zu hoch (31.) und einen Schussversuch von FCE-Kapitän Jakub Kokoc blockten die „roten Teufel“ ab (37.).


Als der zweite Durchgang gerade begonnen und Plocharska noch nicht wieder die Gäste-Bank erreicht hatte, brach Schedelgarn rechts gut durch, wurde dann aber wegen eines Fouls zurückgepfiffen (46.). Auf Altergotts eingangs beschriebene vergebene Chance (55.) folgte eine hochkarätige Möglichkeit der Gäste, bei der Olcay Aydin nach einer Freistoßflanke von der rechten Seite aber am langen Pfosten am stark reagierenden Alan Kado scheiterte (61.). Die Partie wogte nun hin und her. Die Elmshorner erspielten sich einige Standardsituationen und nach einer Ecke von links zog Max Eichholz satt an – doch der Ball wurde noch abgefälscht, dass er knapp vorbei ging (75.).


Weil sich Altergott dann, obwohl er bereits mit „Gelb“ vorbelastet war, im Zweikampf zu einem Schubser hinreißen ließ, zeigte ihm Schiedsrichter Marc-Calvin Prey (Moorreger SV) die Gelb-Rote Karte. „Da hätte er sich, bereits vorbelastet, klüger anstellen müssen“, übte Homburg Kritik an seinem Offensivspieler und legte nach: „Als wir im Begriff waren, die Partie unter Kontrolle zu bekommen, wirft uns dieser überflüssige Platzverweis zurück.“ Plocharska übte ebenfalls Kritik: Er hätte sich gewünscht, dass seine Schützlinge „in Überzahl die Angriffe in der Schlussphase klüger ausspielen“


Obwohl die „roten Teufel“ dies nicht taten, wären sie in der letzten Minute der Nachspielzeit beinahe noch zum Siegtor gekommen: Weil der eingewechselte Elmshorner Farzad Ahmadi rechts vollkommen unnötig in ein Dribbling ging und den Ball an Philipp Matthiessen verlor, tauchte nach dessen Diagonalpass der eingewechselte Bjarne Bandholz rechts frei vor Alan Kado auf, blieb aber am FCE-Keeper hängen. „Auch Ahmadi ist noch jung“, nahm Homburg seinen Spieler in Schutz. Ob er die väterliche Milde auch hätte walten lassen, wenn der Ballverlust zum 0:1 geführt hätte?

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