Zweite Bundesliga: Burgstaller beantwortet Darmstadts Doppelpack
22.02.2021

Schuss der Entscheidung: Hier erzielt Guido Burgstaller (FC St. Pauli, vorne) gegen den Darmstädter Immanuel Höhn den 3:2-Siegtreffer. Foto: Johannes Speckner
Bei der Rückkehr in seine Heimatstadt betete Serdar Dursun am Sonnabend unmittelbar vor dem Anpfiff. Doch das Glück war dem Stürmer und seinem SV Darmstadt 98 nicht hold: Die Hessen visierten gleich dreimal nur die Tor-Umrandung an, während die Akteure des FC St. Pauli dreimal ins Schwarze trafen und mit einem glücklichen 3:2 ihren vierten Sieg in Folge in der Zweiten Bundesliga feierten. Aber der Reihe nach ...

Schon in der zweiten Minute schnupperte St. Paulis Torjäger Guido Burgstaller am frühen Führungstor, als er eine Linksflanke von Rodrigo Zalazar direkt nahm, Gäste-Keeper Marcel Schuhen den Aufsetzer aber ohne große Mühe unter sich begrub. Dursuns erste Aktion gab es nach sieben Zeigerumdrehungen: Nach einer guten Aktion von Marvin Mehlem zielte er von halblinks aus an St. Paulis Kapitän Philipp Ziereis, aber auch am kurzen Eck vorbei (7.). Im direkten Gegenzug holte Zalazar halblinks einen Freistoß heraus, den er selbst allerdings nur in die Abwehrmauer der Darmstädter jagte. Der Video-Schiedsrichter, in diesem Fall in Person von Johann Pfeifer (vom HSC/Blau-Weiß Tündern), meldete sich erstmals in der 19. Minute zu Wort, um gleich zwei Szenen zu überprüfen: Gäste-Akteur Matthias Honsak war links an Sebastian Olsson vorbeigezogen und hatte in der Mitte Dursun gefunden, dessen Schuss von Leart Paqarada abgefälscht wurde. Die Darmstädter reklamierten „Hand“ und der Schiedsrichter-Assistent hob auch seine Fahne – allerdings nur, weil er Honsak im Abseits gesehen hatte. Diese Wahrnehmung wurde von Pfeifer bestätigt, so dass im Kölner Keller das mögliche Handspiel nicht näher untersucht wurde.

Anschließend traten wieder die Hamburger in Erscheinung. In der 22. Minute klärte Immanuel Höhn einen flachen Steilpass von Paqarada in höchster Not per Grätsche über das eigene Gehäuse vor dem einschussbereiten Daniel-Kofi Kyereh. Dass der aufgerückte Ziereis nach dem folgenden Eckstoß weggecheckt wurde, fand weder bei Schiedsrichter Michael Bacher (SV Amerang) noch in Köln Beachtung. Kurz darauf gingen die Kiez-Kicker dann aber aus dem laufenden Spiel heraus in Führung: Ohlsson wurde rechts von Kyereh bedient, sprintete nach vorne und passte scharf in die Mitte, wo Schuhen die abgefälschte Hereingabe nicht festhalten konnte und Burgstaller – wer sonst, ist der geneigte Beobachter geneigt zu fragen – zum 1:0 in das kurze Eck abstaubte. Damit traf Burgstaller auch im siebten Zweitliga-Spiel in Folge, was zuvor noch keinem St. Paulianer gelungen war.

Kurz darauf glänzte Ohlsson auch auf der anderen Seite, als er Honsak so abgrätschte, dass die Partie mit einem Abstoß für die Heim-Elf fortgesetzt wurde (30.). Auch Honsaks nächste Linksflanke klärte Ohlsson vor dem einschussbereiten Dursun (31.) und nach dem darauffolgenden Eckstoß jagte Honsak den Abpraller aus 20 Metern klar über die Latte. Das vermeintliche 2:0 wurde im Millerntor-Stadion bejubelt, als Ziereis eine aus dem rechten Halbfeld kommende Freistoßflanke in das kurze Eck einköpfte. Doch dieser Treffer wurde aus Köln wieder einkassiert, weil es zuvor ein Foul von Dursun gegeben haben soll. Da der gebürtige Hamburger im Team der „Lilien“ aber auch selbst seinen Gegenspieler unfair bearbeitet hatte, konnten sich die Darmstädter mit dieser Entscheidung sehr glücklich schätzen (39.). In der Schlussphase der ersten Halbzeit attackierten die St. Paulianer ihre Gäste früh, weshalb sie sich nur schwer aus der eigenen Spielfeldhälfte befreien konnten. Immerhin einen Schuss, der knapp über die Latte sauste, konnte Mehlem noch abgeben – dann war Pause.

Kurz nach dem Seitenwechsel waren die Hausherren dann erstmals im „Aluminium-Glück“, als Tobias Kempe einen 20-Meter-Freistoß oben links an die Latte zirkelte und der Abpraller mit vereinten Kräften geklärt werden konnte (47.). Auf der Gegenseite parierte Schuhen einen Flachschuss, den Burgstaller nach Zalazars schöner Brust-Annahme von halbrechts aus abgegeben hatte, im Nachfassen (47.). Die Partie wogte nun hin und her, denn darauf folgten mehrere gute Szenen der Gäste. Zunächst visierte Dursun von halblinks aus das lange Eck an, fand aber in St. Paulis Torwart Dejan Stojanovic seinen Meister (51.). Wenig später grätschte Paqarada an der Mittellinie gegen Tim Skarke zunächst am Ball vorbei, konnte dann aber nach einem beeindruckenden Sprint doch noch zur Ecke klären – und nach deren Ausführung von rechts köpfte der aufgerückte Höhn freistehend knapp am langen Pfosten vorbei (52.).

Keine hundert-, sondern eine tausendprozentige Chance zum 2:0 vergaben die Braun-Weißen in der 57. Minute, als Burgstaller nach einem Steilpass von Eric Smith von rechts an Schuhen vorbei gespielt hatte, sich in der Mitte aber weder Omar Marmoush noch Kyereh schnell zu einem Schuss auf das verwaiste Gehäuse durchringen konnten. Letztlich blieb Marmoush am zurückgeeilten Darmstädter Gudlaugur Victor Palsson hängen und Kyereh vergab auch die Möglichkeit zum Nachschuss. Im direkten Gegenzug hätte das 1:1 fallen können, als Ziereis eine Kempe-Rechtflanke quasi ablegte für Honsak, der aber aus vollem Lauf knapp rechts vorbei zielte (59.). Weitere drei Zeigerumdrehungen später fiel dann das 2:0. Marmoush entschloss sich erst dribbelnd erneut nicht zu einem Schuss und Finn Ole Becker legte den Ball zurück zu Smith, der mit einem maßgenauen Pass über die Gäste-Abwehr hinweg erneut Marmoush bediente, der von halblinks aus vor dem grätschenden Palsson in das lange Eck vollendete.

Wer dachte, dass die St. Paulianer nun einem sicheren Heimsieg entgegensteuern würden, irrte sich allerdings gewaltig. Denn ihren Zwei-Tore-Rückstand egalisierten die Darmstädter mit einem Doppelschlag innerhalb von nur drei Minuten. Zunächst flankte Kempe nach einem Doppelpass mit seinem Kapitän Sandro Holland von links in die Mitte, wo Dursun den abgefälschten Ball per Kopf ablegte zu Nicolai Rapp, der ihn mit einem satten Pfund von halbrechts aus in das lange Eck jagte (2:1/64.). Und ehe die Hamburger es sich versahen, schlugen die Hessen erneut zu: Nach Palssons langem Pass narrte Skarke den in dieser Szene hüftsteifen Paqarada und flankte von rechts scharf in die Mitte, so dass Dursun am langen Pfosten ungehindert einschieben und jubelnd gen Eckfahne abdrehen konnte. Ausgerechnet in seiner Geburtsstadt gelang dem 29-Jährigen damit sein zehnter Saison-Treffer und sein erstes Zweitliga-Tor im Jahr 2021.

Nach diesen drei Treffern innerhalb von fünf Minuten waren die Darmstädter eigentlich dank ihrer erfolgreichen Aufholjagd psychologisch im Vorteil, doch den nächsten Torschuss gaben die St. Paulianer ab – und er hatte es in sich: Nach Paqaradas Freistoßflanke von der linken Seite zog Marmoush von rechts aus wuchtig ab, doch Schuhen lenkte den Ball mit einem Wahnsinnsreflex nach oben. Der Abpraller sprang vor die Füße von Kyereh, der ihn aber von links aus am kurzen Eck vorbei jagte (68.). Zwei weitere Zeigerumdrehungen später hätten die „Lilien“ die Partie beinahe komplett zu ihren Gunsten gedreht, als Dursun einen Einwurf weiterleitete zu Honsak, der frei auf Stojanovic zulief und flach rechts einschieben wollte, aber an einer Fußabwehr des Keepers hängen blieb.

So war es Burgstaller vorbehalten, die Kiez-Kicker wieder in Front zu bringen: Paqarada flankte aus dem linken Halbfeld, wobei Dursun einen Schritt zu spät kam, um den Ball abzublocken, hoch gen Strafraumkante. Dort sprang Palsson unter der Kugel hindurch, die Burgstaller daraufhin perfekt annahm und mit links brachial in das linke obere Eck jagte, bevor Höhn per Grätsche retten konnte (82./Foto). Dursun hätte um ein Haar erneut egalisiert, köpfte das Spielgerät nach einer Freistoßflanke über Stojanovic hinweg aber nur an die Latte, ehe Ziereis den Abpraller wegschlug (86.). Nachdem Burgstaller mit Sonderapplaus ausgewechselt worden war, wurde es in der Nachspielzeit noch einmal richtig brenzlig: Nach einem Eckstoß rettete erst Ohlsson auf der eigenen Torlinie gegen Lars Mai und den Abpraller bugsierte Höhn an die Unterkante der Latte, von wo aus der Ball knapp in das Feld zurücksprang (95.). Die Heim-Elf klärte vorübergehend, woraufhin die Gäste das Spielgerät erneut gen Fünfmeterraum flankten, dann aber von Bachers Schlusspfiff gestoppt wurden. Keine Frage, ein Remis wäre nach einem rasanten Ritt für beide Parteien ein gerechtes Ergebnis gewesen – so aber klettern die Kiez-Kicker im Klassement weiter nach oben und grüßen aktuell vom elften Platz.

(Johannes Speckner)

Link: SportNord-Bericht vom 07.02.2021 über den 2:1-Sieg des FC St. Pauli gegen den SV Sandhausen 1916

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