Bezirksliga Nord: Bernes Star ist die Taktik ...
18.09.2007

„Der Star ist die Mannschaft“ war 1996 das Credo des damaligen Bundestrainers Berti Vogts beim Gewinn der Europameisterschaft. Betrachtet man die Arbeitsweise eines Werner Lorant, könnte man meinen, „der Star ist der Trainer“. Auf den TuS Berne dagegen könnte das Motto zutreffen: „Der Star ist die Taktik“!

Nachdem TuS-Trainer Frank Neben, der in diesem Sommer nach Berne zurückkehrte, aus dem Abstiegskandidaten der vergangenen Saison ein Spitzenteam (Berne ist nach neun Spieltagen Zweiter mit nur drei Punkten Rückstand auf den Spitzenreiter SC Sperber) geformt hat, fragte SportNord ihn nach seinem Erfolgsgeheimnis – und erfuhr Überraschendes ...


SportNord: Können Sie uns Ihr Erfolgsgeheimnis erklären?
Frank Neben: „Nun ja, unser Fokus liegt auf einer modernen Taktik und einer guten Ausbildung für unsere Spieler – und da meine Jungs sehr fleißig sind und im Training gut mitziehen, sind wir durch diese Vorgehensweise dazu in der Lage, das eine oder andere Spiel mehr zu gewinnen!“

SportNord: Den Begriff „Ausbildung“ hört man von einem im Herren-Bereich tätigen Fußball-Trainer nicht oft – was meinen Sie damit?
Neben: „Wir legen wert darauf, unseren Spielern einzuimpfen, wie man ballorientiert und in verschiedenen Ketten spielt. Dabei setzen wir nicht nur auf das klassische 4-4-2-System, sondern haben auch einige ‚geheime’ taktische Varianten. Fakt ist, dass die Jungs alles, was ich ihnen sage, gut aufnehmen ...“

SportNord: ... Dabei heißt es doch immer, viele Fußballer würden die Anforderungen einer Vierer-Abwehrkette nicht verstehen!
Neben: „Es kommt immer darauf an, wie man so etwas in den Trainingsinhalten verpackt – bei uns etwa findet 90 Prozent der Taktikschulung auf dem Fußballplatz statt: Die Spieler stellen sich hin, werden verschoben und üben Kombinationen. Ich erkläre dies anhand von Plänen, die ich selbst entworfen habe – und unsere Jungs sind sehr lernwillig!“

SportNord: Können Ihre Spieler das, was im Training erprobt wurde, auch in den Pflichtspielen umsetzen
Neben: „Natürlich, sonst würden wir uns ja die Mühe nicht machen! Und als wir etwa gegen den Eimsbütteler TV gespielt haben, ist unser Gegner nicht zur Entfaltung gekommen, weil wir versucht haben, in Ballnähe immer Überzahl-Situationen zu schaffen. Die Eimsbütteler hatten zwar mehr vom Spiel, aber wir haben nur lange, hohe Bälle zugelassen, die für unsere beiden hochgewachsenen, kopfballstarken Innenverteidiger leichte Beute waren.“

SportNord: In Deutschland gab es viele Spieler, die die Libero-Position geradezu verkörperten: Frank Beckenbauer, Lothar Matthäus, Matthias Sammer, um nur drei zu nennen ... Ist der Libero nun wirklich nicht mehr zeitgemäß
Neben: „Also wir freuen uns, wenn unser Gegner noch mit einem Libero agiert ... Aber, um Ihre Frage zu beantworten: Es kommt kein Spieler als Libero auf die Welt! Nur wir Übungsleiter machen einen Akteur zu dem, was er am Ende ist. Und mir ist es bei meiner letzten Station, dem SV Bergstedt, sogar gelungen, einen 34-Jährigen vom Libero zum Innenverteidiger umzuschulen!“

SportNord: Wo würden Sie in Ihrem System einen Matthias Sammer aufbieten
Neben: „Das ist eine schwere Frage, weil Sammer vor zehn Jahren gespielt hat ... Nun wäre die Frage zu klären, ob er, wenn man etwa auf die Raute setzt, die zentrale, defensive Position einnehmen, oder in einem 4-4-2-System mit zwei Ketten im zentralen Mittelfeld agieren würde ... Aber vielleicht wäre Sammer auch ein Weltklasse-Innenverteidiger!“

SportNord: Wie sieht es denn in Berne aus: Wer übernimmt in ihrer Mittelfeld-Viererkette die defensiven, und wer die offensiven Aufgaben?
Neben: „Wir haben in dem Sinne keinen ‚klassischen Sechser’, sondern mit Florian Völker einen Spielmacher, der auch bereitwillig nach hinten mitarbeitet. Der klassische Spielgestalter, wie es Diego Armando Maradona war, ist vielleicht noch nicht ganz ausgestorben – aber heute benötigt man laufstarke Spieler ... Und Regisseure wie Rafael van der Vaart vom Hamburger SV oder Diego vom SV Werder Bremen haben dies auch verinnerlicht!“

SportNord: Welches Saisonziel peilen Sie mit Berne an
Neben: „Wir wollen in dieser Saison einerseits so viele Punkte wie möglich holen, andererseits aber vor allem weiter mit großem Fleiß an der Ausbildung unserer Spieler arbeiten ... Wenn wir diese Ziele gut umsetzen, wird es uns vielleicht gelingen, am Saisonende einen gesunden Mittelfeldplatz zu erreichen.“

SportNord: Darf es auch ein bisschen mehr, sprich ein Platz im vorderen Drittel, sein?
Neben: „Ich trommele nicht so gerne! Von Montag bis Freitag hat bei uns die Ausbildung unserer Spieler Priorität - am Wochenende geht es darum, die drei Punkte zu erreichen ... Da ich noch nicht lange Trainer in Berne bin, werde ich mich nun aber ganz bestimmt nicht hinstellen und sagen, wir wollen in die Landesliga aufsteigen – das wäre vollkommen vermessen!“


Interview: Johannes Speckner


Kommentare zum Artikel:
- RE: Kette (ätzmanII 18.09.2007 15:58)
- Kette (tarzan 18.09.2007 13:03)




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