Aktuell: Positionspapier des Freiburger Kreises
19.11.2020

Die Verantwortlichen des Freiburger Kreises, der ein Zusammenschluss großer Sportvereine Deutschlands ist und momentan knapp 170 Klubs mit etwa 800.000 Mitgliedern umfasst, haben in einem Positionspapier Stellung zu den Corona-Beschränkungen genommen und an die Politiker appelliert.


Hier der Wortlaut des Positionspapiers:

„Am 28. Oktober 2020 erließen die Bundesregierung und Landesregierungen Maßnahmen zur Reduzierung der Inzidenzzahlen des COVID-19-Virus. Wieder sind die Breitensportvereine in aller Härte durch den Teil-Lockdown betroffen. Deshalb appelliert der Freiburger Kreis an die verantwortlichen Politiker*innen, die besondere Situation der großen Breitensportvereine zu bedenken.

1.) Einbeziehung der besonderen finanziellen Systematik der Breitensportvereine in die Hilfen
Während unter anderem in der Gastronomie und in der Eventbranche Insolvenzen oder drohende Insolvenzen absehbar sind, gleicht die Entwicklung im Breitensport einem langsamen Ausbluten. Viele Vereine können noch nicht von der Sonderhilfe profitieren, weil aktuell (noch) keine Existenzgefährdung vorliegt. Große Breitensportvereine verlieren seit November massiv Mitglieder. Bei einem prognostizierten Mitgliederverlust von zehn Prozent für das nächste Jahr hätten die einzelnen Vereine des Freiburger Kreises Einbußen im sechsstelligen Bereich hinzunehmen – allein bei den Mitgliedsbeiträgen. Dagegen bleibt ein Großteil der Kosten bestehen, weil die meist sehr umfangreichen vereinseigenen Sportanlagen weiterhin zu betreiben sind und die einzelnen Angebote auf Grund der Hygienekonzepte sowieso mit weniger Teilnehmer*innen ablaufen müssen. Hier sind besonders die Großvereine mit vereinseigenen Anlagen und festangestellten Mitarbeiter*innen betroffen. Der Fortbestand der durch innovative Sportvereine über Jahrzehnte aufgebauten Strukturen ist dadurch gefährdet.
Der Freiburger Kreis richtet deshalb an die politisch Verantwortlichen den Appell, kurzfristige Nothilfen in langfristige Zuschüsse (bis mindestens 2023) umzuwandeln – zum Beispiel über den Hebel der Übungsleiter/innen-Zuschüsse.

2.) Wiederöffnung des Breitensports, insbesondere für Kinder und Jugendliche so früh wie möglich!
Der gesundheitliche Wert regelmäßigen Sporttreibens ist unbestritten. Auf diese Tatsache weist auch das gemeinsame Positionspapier der Landessportbünde und des DOSB hin. Viele Vereine mit eigenen Anlagen erleben gerade die Situation, dass am Vormittag Schulklassen die Sportstätten bevölkern, Kinder und Jugendliche aber nicht in die Sportstunden des Vereins kommen dürfen. In den vergangenen sechs Monaten der Pandemie entwickelten die Breitensportvereine griffige Hygienekonzepte sowohl für ihre eigenen wie auch die angemieteten Sportstätten. Da im Sport Disziplin stets eine große Rolle spielt, fällt es den Vereinen nicht schwer, die Umsetzung der Konzepte durchzusetzen. Die Sportler*innen, auch die Kinder und Jugendlichen, haben sich inzwischen an die lokalen Hygienekonzepte gewöhnt. Außerdem war die Nachverfolgbarkeit stets gegeben, falls ein positives Testergebnis vorlag.
Der Freiburger Kreis appelliert an die Politik, den Breitensport für Kinder und Jugendliche so früh wie möglich wieder zu öffnen.
Der Freiburger Kreis versteht nicht, dass der Sport für Erwachsene umfassend und flächendeckend geschlossen wurde, auch für Bereiche, in denen die AHA+L-Regeln gut eingehalten werden können. Selbstverständlich vertreten die FK-Vereine gegenüber ihren Mitgliedern die Beschlüsse der kommunalen und staatlichen Behörden, wenn ein dramatisches lokales Infektionsgeschehen massive Kontakteinschränkungen erforderlich macht.

3.) Mehr Forschung über die Infektionswege, speziell beim gemeinsamen Sporttreiben
Die Verantwortlichen der Freiburger Kreis-Vereine stellten während der zurückliegenden Öffnung erstaunlich wenige Infektionen im Sport selbst fest, auch wenn Vereinsmitglieder eine positive Testung meldeten und danach über die Gesundheitsämter die Kontaktnachverfolgung initiiert wurde. Sie sind überzeugt davon, dass sich die Sportler*innen an die eingeführten AHA+L-Regeln der Vereine hielten und halten werden. Gerade diese kontrollierten Bereiche zu schließen und das Sporttreiben in den privaten Bereich zu verlagern, könnte sich kontraproduktiv auswirken. Während in die Forschung für Medikamente und Impfstoffe Milliarden investiert werden, ist die Ungewissheit, wo und wie Infektionsketten entstehen, immer noch sehr groß; denn dazu liegen nicht genügend wissenschaftliche Erkenntnisse vor. Diese Erkenntnisse sind allerdings für eine langfristige Akzeptanz für die jeweiligen Corona-Schutzmaßnahmen fundamental wichtig. Im Zuge einer Wiedereröffnung regt der Freiburger Kreis daher an, in ausgesuchten Vereinen Studien vornehmen zu lassen, mit denen untersucht wird, wie hoch das Ansteckungsrisiko beim Sporttreiben überhaupt ist beziehungsweise in welchem Maße und mit welchen Maßnahmen sich das Virus beim gemeinsamen Sporttreiben eindämmen lässt.

Vorstand Freiburger Kreis, 17. November 2020
Boris Schmidt (Vorstandsvorsitzender)
Horst Lienig (Stellvertretender Vorsitzender
Dr. Alexander Kiel (Vorstandsmitglied)
Horst Beck (Vorstandsmitglied)“

Link: SportNord-Bericht vom 18.11.2020 über das Positionspapier der Deutschen Sportjugend

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