2. Bundesliga: Kiez-Klub kassiert klare Heimpleite
09.11.2020

Blass blieb St. Paulis Stürmer Simon Makienok
(links), hier im Luftkampf mit KSC-Verteidiger
Daniel Gordon.
Eine halbe Stunde vor dem Anpfiff gab es am Sonntagmittag für Timo Schultz einen kurzen Plausch mit Zlatan Bajramovic, mit dem er in der Saison 2012/2013 noch beim FC St. Pauli zusammengearbeitet hatte: Während „Schulle“ in jener Serie bei der Ersten Mannschaft der Kiez-Kicker den Trainern André Schubert, Thomas Meggle und Michael Frontzeck assistierte, war Bajramovic bei der U23 Co-Trainer von Jörn Großkopf. Anschließend hatte im Millerntor-Stadion nur noch Bajramovic, der in seiner Jugend und von 1998 bis 2002 bei seiner ersten Herren-Station auch für die St. Paulianer gekickt hatte, Grund zum Jubeln: Der Karlsruher SC, bei dem er im Sommer vom A-Jugend-Coach zum Profi-Co-Trainer befördert worden war, triumphierte nämlich im Zweitliga-Spiel an der Reeperbahn mit 3:0.

Der Erfolg der Badener nahm zeitig Form an: Bei einem von halbrechts aus abgegebenen 18-Meter-Schuss des Karlsruhers Marco Thiede reagierte St. Paulis Keeper Robin Himmelmann erst gar nicht, ging dann langsamer als eine Bahnschranke zu Boden und erwischte den Ball im Verbund mit dem Innenpfosten deshalb erst, als dieser die Torlinie bereits überquert hatte. Obwohl dies gut zu sehen war, ließ Schiedsrichter Alexander Sather (vom FC Grimma) die Partie zunächst weiterlaufen – erst nach einer gefühlten Ewigkeit bekam er ein entsprechendes Signal des Video-Referees Tobias Reichel (GSV Maichingen) und entschied richtigerweise auf Tor. Dieser frühe Rückstand hemmte die Kiez-Kicker merklich. Im Glück waren sie, als ein 22-Meter-Freistoß des Karlsruhers Marvin Wanitzek knapp am linken Winkel vorbei ging (13. Minute) und Philipp Hofmann nach einem Pressschlag zwischen Daniel Buballa sowie dem Ex-St. Paulianer Kyoung-Rok Choi aus guter Position verzog (14.).

Erste Torannäherungen der Heim-Elf gab es, als ein 18-Meter-Schuss von Simon Makienok noch abgefälscht wurde und knapp links vorbei strich (27.). Auf der Gegenseite wurde Kyoung-Rok Chois Versuch nach einem Eckstoß noch abgeblockt und beim Nachschuss von Robin Bormuth kam ebenfalls ein Abwehrbein der Heim-Elf dazwischen, das den Ball über die Latte lenkte (30.). In der Folge fehlte dem Spiel der Hamburger oftmals die nötige Präzision, weshalb die Seiten beim Stand von 0:1 gewechselt wurden. Konnten sich die St. Paulianer mit diesem Pausenstand noch glücklich schätzen, so kam es zu Beginn des zweiten Durchgangs noch schlechter. Zunächst rutschte Kyoung-Rok Choi noch an einer Linksflanke des agilen Marc Lorenz vorbei (48.), doch kurz darauf klebte Himmelmann bei einer Freistoßflanke von Philipp Heise von der linken Seite auf seiner Torlinie; die St. Paulianer Makienok und Rodrigo Zalazar behinderten sich beim Klärungsversuch gegenseitig, woraufhin Jerome Gondorf aus 15 Metern halbrechts flach einschoss (50.). Sather ließ in Köln noch klären, ob eine Abseitsposition vorlag, erkannte den Treffer dann aber an.

Eine zügige Antwort der Hausherren wäre möglich gewesen, als Zalazar von halbrechts aus guter Position zum Freistoß antrat, diesen aber deutlich am Ziel vorbei wuchtete (54.). Eine Zeigerumdrehung später jagte Luca Zander eine Linksflanke von rechts im Gäste-Strafraum über die Latte. In der Folge generierten die Braun-Weißen, bei denen sich Lukas Daschner nach seiner Einwechslung als belebendes Element erwies, viel Ballbesitz. Jedoch gab es gegen die lauffreudigen und zweikampfstarken Gäste fast kein Durchkommen. Und als es bei der Heim-Elf endlich einmal schnell ging, scheiterte der ebenfalls eingewechselte Maximilian Dittgen von halblinks aus an KSC-Keeper Marius Gersbeck (70.), der aufgrund der fehlenden Prüfungen wohl eine Erkältung fürchten muss. Immerhin: In der Schlussphase versuchten es die Kiez-Kicker noch einmal. Nach einem Steilpass zögerte Daniel-Kofi Kyereh aber zu lange, weshalb Bormuth mit langem Bein noch auf Kosten eines Eckstoßes retten konnte (72.). Und nachdem Becker mit einem Flachschuss in Gersbeck seinen Meister gefunden hatte (75.), machten die Gäste den Deckel drauf: Hofmann, der vom Hamburger SV umworben wird, eroberte im Mittelfeld den Ball, woraufhin Heise links Lorenz fand. Dessen Linksflanke drückte Hofmann selbst aus Nahdistanz ins Netz (76.).

Dieses deutliche 0:3 war der Endstand, da Daschner aus Nahdistanz an Gersbeck verzweifelte (78.). Weil die St. Paulianer in einem gruseligen Geisterspiel nicht einmal ansatzweise an die starke, neun Tage zuvor im Derby beim Hamburger SV (2:2) gezeigte Leistung (SportNord berichtete) anknüpfen konnten, verloren sie verdient und rutschten im Klassement hinter den KSC auf den vorletzten Platz ab, wo sie nun die Länderspiel-Pause verbringen. Sollten sie dort auch am Saisonende stehen, würde dies den Abstieg aus der Zweiten Bundesliga bedeuten, der auch Auswirkungen auf den Hamburger Amateur-Bereich hätte: Die U23 der Kiez-Kicker müsste dann nämlich aus der Regionalliga Nord, in der Zweitvertretungen von Drittligisten nicht zugelassen sind, in die Oberliga Hamburg zwangsabsteigen.


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