Aktuell: Nord-FV mit drei Vorschlägen
05.05.2020

Torwart Tobias Grubba ist mit Altona 93 aktuell
ebenso Drittletzter wie in der Tabelle, die bei
der Quotienten-Regelung das Abschluss-
klassement wäre.
Am Montag ließen die Offiziellen des Norddeutschen Fußball-Verbandes den Verantwortlichen der 18 Nord-Regionalligisten ein Schreiben zukommen, in dem sie ihnen drei Vorschläge offerierten, wie die Saison 2019/2020 angesichts der Corona-Krise fortgesetzt oder abgebrochen werden könnte. Auf der Internet-Seite des Lüneburger SK Hansa wurde der Wortlaut des Schreibens anschließend veröffentlicht. Anhand der LSK-Angaben gewährt auch SportNord seinen Lesern einen Einblick das Schreiben:

Umfrage für Vereine der Regionalliga-Nord Saison 2019/2020
Vorschläge über die Fortführung der Saison 2019/2020 Sachstand


Voraussetzung für die Fortführung der Saison 2019/2020 ist, dass die Sportanlagen von den Behörden zur Nutzung wieder freigegeben werden. Bisher lautet die behördliche Anordnung eine Sperrung der Sportanlagen bis zum 4. Mai 2020.

Sollten die Sportanlagen ab dem 4. Mai 2020 wieder zu Verfügung stehen und die Behörden bei Amateuren auf Corona-Tests verzichten, könnte man Ende Mai mit der Saison fortfahren. Voraussetzung hierfür ist, dass die jeweiligen Bundesländer einheitliche Beschlüsse fassen, zum Beispiel sind Zuschauer zugelassen oder nicht beziehungsweise wie viele Zuschauer sind zugelassen. Das wäre das beste Szenario und die Saison 2019/2020 könnte im Juli 2020 beendet werden. Es erklärt sich von selbst, sollten die Behörden dieses zulassen, dass die Saison 2019/2020 unter diesen Voraussetzungen zu Ende gespielt wird und die neue Saison dann entsprechend verspätet beginnt. Deshalb haben wir dieses Szenario nicht zur Abstimmung gestellt.

Das Distanzgebot als zentrales Element der Corona-Strategie – sprich mindestens anderthalb Meter Abstand zwischen zwei Personen – dürfte bis mindestens Ende des Jahres 2020 bestehen bleiben.

Rechtliche Regelungen (Wechselperiode und einzelne Wechselregelungen wie zum Beispiel die Sechs-Monatsfrist, vertragliche Bindungen von Spielern, Spielmöglichkeit über den 30. Juni 2020 hinaus etc.) sind inzwischen durch allgemeinverbindliche Regelungen des Deutschen Fußball-Bundes möglich. Arbeitsrechtlich sind die Verlängerungen der Verträge über den 30. Juni 2020 hinaus fraglich! Arbeitsrecht schlägt DFB-Satzung und Spielordnung!

Rechtliche Haftungsrisiken, da unter anderem keine rechtliche Grundlage in Satzungen und Ordnungen für Abbruch der Saison vorliegt oder weil die getroffenen Regelungen über Auf- und Abstieg nicht eingehalten werden können, sind gegeben. Daraus können sich entsprechende Schadensersatzforderungen ableiten lassen.

Bitte wählen Sie deshalb einen Vorschlag aus, denn wir können aktuell nicht davon ausgehen, dass die Behörden die Sportanlagen für den Zuschauerbetrieb öffnen werden. Stand heute gibt es ein Verbot für Großveranstaltungen bis zum 31. August 2020, bundesweit! Großveranstaltungen sind Veranstaltungen ab 1.000 Zuschauern. Schleswig-Holstein zum Beispiel wird nach heutigem Stand erst ganz langsam und in mehreren Schritten Veranstaltungen jeglicher Art wieder für die Öffentlichkeit zugänglich machen, inklusive Fußballspiele.

Erst am 6. Mai 2020 wird die Bundesregierung über eventuelle weitere Lockerungen der Auflagen beraten, danach die Länder.

Wichtiger Hinweis: Diese Umfrage bedarf einer rechtsverbindlichen Gegenzeichnung seitens des Vereines zu allen drei Vorschlägen!

Vorschlag 1
Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit, sprich „Geisterspiele“

Behördliche Anordnung, dass alle am Spiel beteiligten Personen einen Corona-Test mindestens 24 Stunden vorher absolviert haben. Kosten pro Testperson derzeit ca. 150 Euro.
25 Personen x 150 Euro = 3.750 Euro pro Spiel.
Kosten gesamt bei zehn Spielen somit 37.500 Euro.
Auch die Schiedsrichter benötigen einen aktuellen Corona-Test.

Pro:
> Saison kann zu Ende gespielt werden bis Juni/Juli 2020.
> Fairer Wettbewerb, alle Spiele gespielt.

Contra:
> Kosten sehr hoch.
> Umsetzung der behördlichen Hygienemaßnahmen (u.a. Corona-Test), Duschen, Umkleideräume.
> Keine Zuschauereinnahmen.
> Die Ansteckungsgefahr bleibt zudem. Inwieweit das zur Quarantäne der Mannschaft führt, ist derzeit noch zu klären.
> Abstimmung Aufstiegsmodus Oberligen/Regionalliga, wenn nicht der gleiche Zeitrahmen gewählt wird.


Vorschlag 2
Abbruch der Saison 2019/2020


Die Saison wird mit dem derzeitigen Tabellenstand abgebrochen und per Quotient wird der Tabellenplatz ermittelt. Der Quotient ist das Ergebnis der erreichten Punkte, geteilt durch die Anzahl der gespielten Spiele, zum Beispiel 40 Punkte durch 25 gespielte Spiele = 1,60 Quotient. Danach wird der Tabellenplatz festgelegt und so der Auf- und Abstieg geregelt (siehe Anlage).

Pro:
> Saison in der Regelzeit beendet.
> Quotientenregel sorgt für Gerechtigkeit.
> Beginn der Saison 2020/2021, sobald es die staatliche Verfügungen zulassen.
> Zulassung einer begrenzten Anzahl von Zuschauern wahrscheinlich in der Saison 2020/2021 (vorbehaltlich staatlicher Verfügungen).

Contra:
> Saison nicht regelkonform zu Ende gespielt
> Einberufung eines Außerordentlichen NFV-Verbandstages (schwer möglich wegen Kontaktsperre, aber digital machbar). Alternativ Verzichtserklärung aller Vereine, keine Ansprüche anzumelden, damit Haftbarkeit Verband ausgeschlossen wird.
> Auf- und Abstiegsregelung Oberligen/Regionalliga.


Vorschlag 3
Verlängerung der Saison 2019/2020

Die Saison 2019/2020 wird bis zum 31. August 2020 unterbrochen. Ab dem 1. September 2020 wird die Saison 2019/2020 zu Ende gespielt (vorbehaltlich staatlicher Verfügungen). Die Saison 2020/2021 wird im Januar/Februar 2021 begonnen und als verkürzte Saison gespielt. Wie diese verkürzte Saison 2020/2021 aussehen soll, muss noch unter Berücksichtigung, insbesondere unter rechtlichen Gesichtspunkten, geprüft werden.

Pro:
> Fairer Wettbewerb, alle Spiele gespielt.
> Zulassung einer bestimmten Anzahl von Zuschauern möglich (vorbehaltlich staatlicher Verfügungen).

Contra:
> Abstimmung mit den anderen Regionalligen und der Dritten Liga über Aufstiegsmodus, wenn nicht der gleiche Zeitrahmen gewählt wird.
> Abstimmung Aufstiegsmodus Oberligen/Regionalliga, wenn nicht der gleiche Zeitrahmen gewählt wird.
> Verkürzte Saison 2020/2021.
> Neue Mannschaftszusammenstellungen (Kader) für den Rest der Saison.


Anlage zu Vorschlag 2
Tabelle nach Quotient

(Anzahl Punkte geteilt durch Anzahl Spiele)

1. VfB Lübeck 2,44 Punkte-Quotient
2. VfL Wolfsburg II ... 2,33 Punkte-Quotient
3. SC Weiche Flensburg 08 ... 2,00 Punkte-Quotient
4. SV Drochtersen/Assel 1,76 Punkte-Quotient
5. FC Eintracht Norderstedt ... 1,63 Punkte-Quotient
6. SV Werder Bremen II ... 1,60 Punkte-Quotient
7. Holstein Kiel II ... 1,50 Punkte-Quotient
8. VfB Oldenburg ... 1,48 Punkte-Quotient
9. TSV Havelse ... 1,45 Punkte-Quotient
10. BSV Schwarz-Weiß Rehden ... 1,42 Punkte-Quotient
11. Lüneburger SK Hansa ... 1,23 Punkte-Quotient
12. Hannover 96 II ... 1,18 Punkte-Quotient
13. FC St. Pauli II ... 1,08 Punkte-Quotient
14. Hamburger SV II ... 1,05 Punkte-Quotient
15. SSV Jeddeloh ... 0,88 Punkte-Quotient
16. Altona 93 ... 0,76 Punkte-Quotient
17. Heider SV ... 0,67 Punkte-Quotient
18. HSC Hannover ... 0,63 Punkte-Quotient

Hinweise: Der FC Eintracht Norderstedt klettert von seinem derzeitigen sechsten auf den fünften Platz. Der FC St. Pauli II rutscht um eine Position vom zwölften auf den 13. Rang ab. Der Hamburger SV II bleibt Tabellen-14. und Altona 93 ist weiterhin Drittletzter. Da der Regionalliga-Nord-Meister (in diesem Fall der VfB Lübeck) sicher in die Dritte Liga aufsteigt, müsste der Drittletzte eigentlich in zwei Relegationsspielen gegen den Zweiten der Oberliga Niedersachsen (zurzeit SV Atlas Delmenhorst) um ein Viertliga-Ticket für die kommende Saison kämpfen.

Link: SportNord-Bericht vom 21.04.2020 über die Beratungen des Norddeutschen Fußball-Verbandes

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