Oberliga: Irres 14-Tore-Spektakel am Blomkamp
04.11.2019

Der Osdorfer Sechsfach-Torschütze Jeremy
Wachter (vorne) ist hier vor dem Buchholzer
Andreas Metzler am Ball.
Ein irres 14-Tore-Schützenfest gab es am Sonntagnachmittag auf dem Kunstrasenplatz am Blomkamp, wo der TuS Osdorf den TSV Buchholz 08 mit 9:5 schlug. Damit konnten die zahlreichen TuS-Anhänger innerhalb von nur 90 Minuten mehr Treffer ihrer Lieblinge bejubeln, als in den ersten fünf Heimspielen dieser Oberliga-Saison insgesamt. „So ein Spektakel habe ich auch noch nicht erlebt“, betonte TuS-Trainer Philipp Obloch, der hinzufügte: „In niedrigeren Spielklassen gibt es mitunter derartige Torfestivals – aber für die Oberliga ist so eine Partie mit offenem Visier doch sehr ungewöhnlich.“ Ungewöhnlich war auch die Anstoßzeit: Normalerweise erwarten die Osdorfer ihre Gegner freitagabends um 19.30 Uhr. Doch weil die Buchholzer am vergangenen Donnerstag, der als Tag der Deutschen Einheit ein Feiertag war, noch den SC Victoria Hamburg empfangen und ihm ein 2:2-Unentschieden abgetrotzt hatten, rollte ausnahmsweise sonntagnachmittags der Ball.

Bereits in der fünften Minute, als einige der Zuschauer sich noch auf der Suche nach einem Parkplatz befanden, brachte Nico Kukuk die Hausherren in Front. „Wir sind relativ gut in die Partie hineingekommen“, stellte Obloch zufrieden fest. So ließ auch das 2:0 von Jeremy Wachter nicht lange auf sich warten (7. Minute). Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand wusste: Dies war nur der erste Teil von einem Sechserpack des TuS-Torjägers. Wachters nächsten Streich gab es, als die Buchholzer nach einem Osdorfer Eckstoß zunächst in Ballbesitz gelangten, das Spielgerät dann aber wieder verloren. Die daraus resultierende Hereingabe von der rechten Seite verwertete Wachter in der Mitte aus acht Metern mühelos und halbhoch zum 3:0 (14.). Sogar 4:0 hieß es, als Torben Krause nach exakt einer halben Stunde traf.

Die Buchholzer traten dann in der Schlussphase der ersten Halbzeit erstmals selbst offensiv in Erscheinung. Nach einem langen Diagonalpass hatte Milaim Buzhala von halbrechts aus freie Bahn und schoss aus spitzem Winkel flach an TuS-Torwart Tjark Grundmann vorbei in das lange Eck ein (42.). Wenig später verkürzte Marc Eisenberg für die Gäste sogar zum 4:2 (45.). „Da haben wir den Gegner Schritt für Schritt wieder in die Partie zurückgeholt“, haderte Obloch. Doch in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit jubelten dann wieder die Osdorfer: Obwohl Torben Krause gefoult wurde, gelang es ihm noch, den Ball nach halbrechts durchzustecken zu Wachter, der links am herausstürzenden Gäste-Keeper Philipp Wilke vorbeizog und zum 5:2 einschoss.

Unmittelbar danach erfolgte der Pausenpfiff von Schiedsrichter Martin Pfefferkorn (vom SC Urania). „Dieser Treffer zum 5:2 war unglaublich wichtig“, betonte Obloch, der einen Einblick in die Gespräche, die während der Pause in der Kabine geführt wurden, gewährte: „Wir haben uns fest vorgenommen, die Tür für die Buchholzer nicht noch einmal aufzumachen.“ Diesen Plan setzten die Osdorfer allerdings nicht in die Tat um. Stattdessen verwirkte Bryon Godts einen Freistoß an Buzhala, den Dustin Jahn so über die Abwehrmauer der Heim-Elf zirkelte, dass er zum 5:3 unter der Latte einschlug – allerdings relativ mittig und deshalb vielleicht nicht ganz unhaltbar (48.). In einer nun sehr zerfahrenen sowie unruhigen Partie schnupperten die Niedersachsen am Anschlusstreffer, als Buzhala nach einer Rechtsflanke zu spät kam und dann selbst von rechts in die Mitte flankte, wo Can Kömürcü aber am langen Pfosten vorbei köpfte (56.).

„Mehr Konzentration“ forderte Obloch daraufhin lautstark von seinen Schützlingen, die zum sechsten Streich ausholten: Nach einer Linksflanke von Torben Krause vollstreckte Wachter in der Mitte zum 6:3 (58.). Und nur eine Zeigerumdrehung später schlug Wachter erneut zu, als er nach Kukuks perfektem Steilpass am armen Wilke vorbeilief und zum 7:3 einschoss (59.). War dies die Entscheidung? Nein, denn nachdem Torben Krause freistehend wegen einer angeblichen Abseitsstellung zurückgepfiffen worden war (69.), gab es ein Lebenszeichen der Null-Achter: Nach einem langen Pass überlupfte Jahn von links aus spitzem Winkel den weit – und völlig unnötigerweise – aus seinem Tor herausgeeilten Grundmann, woraufhin der eingewechselte Dominik Formfeist keine Mühe hatte, in der Mitte hoch in das verwaiste Gehäuse zu treffen. „Ich erwarte von meinem Torwart, dass er offensiv denkt und mitspielt“, betonte Obloch, der allerdings feststellte, dass Grundmann „in dieser Situation besser in seinem Gehäuse geblieben wäre“, da dann „vermutlich nichts passiert wäre“.

Einen Drei-Tore-Rückstand aufzuholen, war eine hohe Hürde, aber in dieser verrückten Partie kein unmögliches Unterfangen. So versuchten es die Buchholzer und rannten an – doch die Osdorfer standen nun besser in der Abwehr, in der Tim Jobmann schmerzlich vermisst wurde. Und nach einer Balleroberung auf der rechten Seite fand Bennet Krause mit einem Steilpass Wachter, der von halbrechts aus freistehend an Wilke vorbei zum 8:4 einschoss und seinen sechsten Torerfolg des Tages feierte (77.). Spätestens jetzt schien die Partie entschieden zu sein. Die Lust am Toreschießen war den Akteuren damit aber noch lange nicht vergangen. Nachdem sich Wachter bei einer Auswechslung seinen vollkommen verdienten Sonderapplaus abgeholt hatte, veredelte der für ihn in die Partie gekommene Prince Hüttner einen Steilpass zum 9:4 (89.). Den Schlusspunkt setzten dann aber die Buchholzer: Buzhala drang in den TuS-Strafraum ein, wo ihn Bennet Krause als letzter Mann legte. Pfefferkorn zückte „Rot“ und entschied auf Elfmeter, den Buzhala selbst in die von ihm aus gesehen linke Ecke verwandelte, während Grundmann sich für einen Sprung in die andere Seite seines Gehäuses entschieden hatte (90.).

Darauf erfolgte der Abpfiff ohne eine einzige Nachspielzeit-Minute – dabei hätte die vielerorts angewandte Regel, dass es pro erzieltem Treffer eine Minute Extra-Spielzeit gibt, den Zuschauern durchaus noch das eine oder andere Minütchen mehr Spektakel bescheren können. „Ja, die Rote Karte ist ein Stimmungsdämpfer – zumal das Foul zu diesem Zeitpunkt und bei unserer klaren Führung absolut unnötig war“, haderte Obloch, der mit Blick auf die kommenden Aufgaben sagte: „Bennet Krause wird uns mit seiner Präsenz auf dem Platz fehlen.“ Dennoch war Obloch nach dem bisher höchsten Osdorfer Pflichtspiel-Sieg unter seiner Regie „sehr zufrieden“ und stellte fest: „Es war beeindruckend, mit welcher Treffsicherheit wir vorne immer wieder zugeschlagen haben.“ Noch mehr Treffer hatte es am Blomkamp letztmals am 25. April 2006 gegeben, als die Osdorfer noch in der Kreisklasse 8 einen 14:1-Kantersieg gegen die Sportfreunde Uetersen feierten.



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