Aktuell: Klarstellung von Bethke
02.04.2019

Gab eine Stellungnahme ab: Trainer Patrick Bethke.
Patrick Bethke traute seinen Augen kaum, als er vor anderthalb Wochen las, was Manfred Kirsch als Berater des Hamburger Oberliga-Tabellenletzten VfL Pinneberg in der Stadionzeitung zum VfL-Heimspiel gegen den Wandsbeker TSV Concordia (1:3), die per E-Mail-Newsletter und facebook-Verlinkung auch online einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, schrieb. Bezugnehmend darauf, dass auf passable Auftritte im Herbst 2018 zuletzt heftige Klatschen folgten, schrieb Kirsch:

„Für diese Ergebnisse kann man das jetzige Trainerteam um Wojciech Krauze sicherlich nicht verantwortlich machen. Sie haben Verantwortung in einer ganz schwierigen Situation übernommen. Vielmehr kann man als Außenstehender über den Vorgänger, Patrick Bethke, nur den Kopf schütteln. Er hatte dem Vorstand noch im November 2018 zugesichert, die Saison – wie vereinbart – zu Ende zu bringen. Doch noch vor Weihnachten machte er einen Rückzieher. Seine Begründung, der Verein ließe ihn mit der schwierigen Situation alleine, ist an den Haaren herbeigezogen! Er wollte seinerzeit den Job des Ligatrainers unbedingt (obwohl er noch nicht einmal eine Trainer-Lizenz besitzt!), hatte sich sein unmittelbares Umfeld (CO-Trainer, Betreuer etc.) selbst geschaffen und war auch für die personelle Zusammenstellung des Kaders verantwortlich. Der Vorstand hatte ihm alle Freiheiten eingeräumt und eine Job-Garantie für die laufende und auch kommende Saison zugesichert. Er wollte eine Mannschaft formen, die sich in der nächsten Landesliga-Saison stabilisieren sollte. Sein Rückzug noch vor der Weihnachtsfeier kam für die Mannschaft und den Vorstand überraschend und belastet den Rest der Saison unnötig. Schade, dass heutzutage gegebene Zusagen offensichtlich nichts mehr wert sind.“


Nachdem Bethke, dessen Rücktritt die VfL-Verantwortlichen erst am 11. Dezember 2018 offiziell bekanntgegeben hatten (SportNord berichtete, siehe unten stehenden Link), dies gelesen hatte, ärgerte er sich über eine „Rufschädigung“ und forderte Kirsch sowie VfL-Fußball-Abteilungsleiter Heinz Sellmann per WhatsApp zu einer öffentlichen Korrektur auf. „Sie haben meine Nachrichten gelesen, aber nicht einmal geantwortet – lediglich Florian Holstein hat sich bei mir gemeldet“, erklärte Bethke, der sich daraufhin anwaltlich beraten ließ und sich nun entschied, via SportNord den Schritt in die Öffentlichkeit zu gehen, um eine Gegendarstellung zu platzieren: „Ich möchte darauf reagieren, weil ich das so nicht stehen lassen kann, sondern etwas richtigstellen muss.“

Beginnen wollte Bethke damit, wie es zu seinem Engagement als Liga-Trainer des VfL kam: „Es war keinesfalls so, dass ich die Vorstandsmitglieder auf Knien darum angefleht habe, diese Aufgabe übernehmen zu dürfen. Stattdessen stand ich nach meiner Ankündigung, im Sommer 2018 bei den Zweiten Herren des VfL aufzuhören, in Verhandlungen mit einem anderen Verein. Als die VfL-Verantwortlichen dann auf mich zukamen, habe ich ihnen erklärt, dass ich erst gesprächsbereit sei, wenn die Offiziellen des anderen Klubs mir abgesagt haben.“ Nachdem der andere Verein im Januar 2018 einen anderen Übungsleiter verpflichtet hatte, habe er ein Angebot des VfL bekommen: „Daraufhin habe ich gefragt, wie es mit dem Etat aussieht und ob Spieler des damals aktuellen Kaders bleiben. Als Antwort bekam ich, dass ich die Gespräche mit diesen Spielern aufnehmen solle“, so Bethke.

Tatsächlich habe er sich dann dafür entschieden, das Angebot anzunehmen, weil ihm „der VfL als Traditionsverein am Herzen lag“ und es ihm „wichtig war, dass dort weiter Herren-Fußball gespielt wird“, so Bethke. Als er dann das Gespräch mit den Spielern aus dem Kader der vergangenen Saison suchte, sei ihm aber „schnell klargeworden, dass nur die Akteure bleiben, die durch meine Kontakte an die Fahltsweide gekommen waren“, wie Bethke rückblickend feststellte. Madjid Albry, Enis Ay, Lion Strauß und Yasir Zaman sagten ihren Verbleib zu und blieben dem Verein auch tatsächlich über das Ende der vergangenen Saison hinaus treu, während sich alle anderen Spieler verabschiedeten.

Auf die Aussage von Kirsch, der Vorstand habe ihm bei der Kaderzusammenstellung freie Hand gelassen, entgegnete Bethke: „Wenn mir irgendjemand Tipps gegeben oder mich ein Herr Kirsch, dem der VfL ja angeblich so sehr am Herzen liegt, unterstützt hätte, wäre ich dafür sehr dankbar gewesen. Ich hätte mich über jeden Verantwortlichen, der mich bei der Zusammenstellung des Kaders unterstützt hätte, beispielsweise einen Team- oder Liga-Manager, sehr gefreut. Fakt ist aber, dass ich gefühlt über hundert Telefonate geführt und mir dabei zahlreiche Absagen eingehandelt habe.“ Vor allem die Spieler, die in der Vergangenheit schon einmal an der Fahltsweide aktiv waren, beschieden Bethkes Anfrage, ob sie sich eine Rückkehr vorstellen könnten, fast ausnahmslos abschlägig: „Die Ex-Pinneberger haben sofort abgewunken und ‚Nein‘ gesagt – und die Spieler, die den VfL im Sommer 2018 verlassen haben, haben mich gefragt, ob ich mir sicher sei, dass diese Aufgabe die richtige für mich ist ...“

In Bezug auf die Zusammenstellung des Trainerteams entgegnete Bethke auf die Aussage von Kirsch: „Ich habe mich nach meiner Zusage mit dem damaligen Co-Trainer Stephan Roesler unterhalten und hätte mich gefreut, wenn er geblieben wäre – aber er wollte lieber eine Fußballpause einlegen.“ Physiotherapeut Christian Rochlitz sei ebenfalls aus freien Stücken Reibe nach Tornesch gefolgt, so Bethke: „Er sah dort für sich die besseren Bedingungen – und objektiv betrachtet muss man ihm, Reibe und den Spielern, die zum FC Union gegangen sind, ja auch Recht geben.“ Überhaupt kann Bethke inzwischen alle Akteure, die sich vor Saisonbeginn vom VfL verabschiedeten, verstehen: „Damals war ich auf den einen oder anderen sauer – aber wenn ich die Zeit vom Juli bis zum Dezember 2018 Revue passieren lasse, muss ich all Denjenigen, die weggegangen sind, Recht geben: Das, was sie befürchtet hatten, ist genauso eingetroffen.“

An Unterstützung fehlte es Bethke aber nicht nur bei der Akquirierung von neuen Spielern, sondern auch in der täglichen Arbeit: „Das Fehlen eines Zeugwarts sollte mit Marcus Motzkat überbrückt werden, aber der Vorstand hatte auch zugesichert, hier noch nach Ersatz zu schauen – doch es hat sich leider nichts getan.“ Überhaupt erhob Bethke Vorwürfe gegen die Verantwortlichen: „Sie waren eher im Urlaub, als dass sie bei Auswärtsspielen vor Ort waren oder bei der Vorbereitung auf Heimspiele mitgeholfen haben.“ Deshalb hätte er als Trainer „mehrmals die schmutzigen Trikots zu einer Wäscherei gebracht, wenn dies Mike Treede, der uns als Betreuer der damaligen Zweiten Herren unterstützt hat, nicht geschafft hat.“ Und auch im Umfeld packte Bethke tatkräftig mit an: „Ich habe mehrmals sonntags um 10 Ihr den Container mitaufgebaut, damit den Zuschauern etwas angeboten werden konnte“, sagte der Coach rückblickend. Nach den Heim-Auftritten sei die Anzahl derjenigen, die dabei halfen, den Container abzubauen, „auch sehr übersichtlich gewesen“, so Bethke, der zudem die Eltern von Dominic Lemcke lobend erwähnte: „Weil zu unserem Auswärtsspiel beim SV Curslack-Neuengamme kein Verantwortlicher mitgefahren war, haben sie den Spielern Pommes Frites ausgegeben, um nach der klaren 0:7-Niederlage die Stimmung etwas zu verbessern ...“

Dass er keine Trainer-Lizenz besitzt, was Kirsch in seiner Einlassung ebenfalls kritisch anmerkte, kommentierte Bethke wie folgt: „Ich habe all meinen Vereinen gegenüber immer fair kommuniziert, dass ich nur einen Basis-Lehrgang besucht und nie eine Trainer-Lizenz erworben habe. Ich habe einen Job, bin dabei Alleinverdiener und muss eine Familie ernähren, weshalb es sich nie ergeben hat, dass ich eine Lizenz erwerbe – aber ich stelle hiermit noch einmal klar, dass ich daraus nie einen Hehl gemacht habe.“ Dass Kirsch ihn dafür nun kritisiert, findet Bethke „umso verwunderlicher“, da ausgerechnet Kirsch es gewesen sei, der ihn im Dezember 2015 für die VfL-Reserve verpflichtet hatte: „Damals hat er gesagt, dass die Zweite Mannschaft schon aus der Landesliga abgestiegen sei und ich im Frühjahr 2016 ein Team für die kommende Bezirksliga-Saison formen solle. Als wir die Landesliga dann noch gehalten haben und auch in der darauffolgenden Serie 2016/2017 den Ligaverbleib geschafft haben – übrigens auch größtenteils mit Spielern, die aus der Kreisklasse kamen –, hat Kirsch sich feiern lassen und es hat keine Rolle gespielt, dass ich keine Lizenz habe ...“

Zum Thema Geld und Aufwandsentschädigungen für Spieler sagte Bethke, er fände es „bedauerlich“, wenn Kirsch „die Spieler, die bis zum Sommer 2018 für den VfL aktiv waren, Söldner nennt“. Bethke ergriff klar Partei für die Ex-Pinneberger: „Das waren und sind ganz normale Spieler, die nicht mit dem Vorstand zusammengesessen und um einen möglichst hohen Betrag gepokert haben, sondern das Geld mitgenommen haben, das es damals eben zu verdienen gab – gerade als Berater des Vereins sollte Kirsch vorsichtig damit sein, was er diesen Spielern nachsagt.“ Zu den monetären Bedingungen in dieser Saison erklärte Bethke: „Das, was die Akteure beim VfL in dieser Saison bekommen, ist mehr oder weniger die Erstattung ihres Mitgliedsbeitrags.“ Damit, dass den Kickern, die aus Hamburg oder dem tieferen Schleswig-Holstein anreisen, „etwas mehr Benzingeld gegeben wird“, würde sich der VfL „leider in der Geld-Tabelle nicht einmal im Landesliga-Mittelmaß bewegen“, ergänzte Bethke. Zwar sei auch er „voll dafür gewesen, dass in Pinneberg keine hohen Summen mehr bezahlt werden“, denn es sei „sinnvoll, auf die eigene Jugend zu schauen“ – doch stellte Bethke auch klar: „In den letzten Jahren war es dem Verein ja auch noch möglich, seine Liga-Spieler adäquat zu entlohnen – und dann alles innerhalb von einem Jahr umzustellen, ist eben ein Ding der Unmöglichkeit.“

Zu guter Letzt war es Bethke ein Bedürfnis, den Zeitpunkt seiner Erklärung, er würde beim VfL bleiben, und seines kommunizierten Abschieds richtigzustellen: „Fakt ist, dass Sellmann mich im September 2018, als mir nach den ersten Niederlagen eine gewisse Enttäuschung anzumerken war, gefragt hat, ob ich bleibe. Darauf habe ich entgegnet: ‚Stand jetzt mache ich weiter.‘ Dann stand ich im Oktober 2018 mit Holstein vor dem Container und habe ihm vor Zeugen – unter anderem David Fock – gesagt, dass ich ‚mehr Unterstützung brauche‘. Geändert hat sich daraufhin allerdings gar nichts. Dann habe ich dem Vorstand bereits Mitte November 2018 gesagt, dass das Spiel beim Meiendorfer SV am 1. Dezember 2018 mein letztes als Trainer sein wird.“ Daraufhin, ergänzte Bethke, habe er dem Vorstand auch Krauze als neuen Coach vorgeschlagen: „Weil er ein junger, sehr ehrgeiziger Trainer ist“, so Bethke. Krauze sei auch der erste Spieler gewesen, mit dem er über seinen bevorstehenden Abschied gesprochen habe: „Er war enttäuscht, aber ich habe ihm meine Gründe erläutert“, erinnerte sich Bethke an das Gespräch mit seinem Nachfolger. „Ende November 2018“, so Bethke, hätte er dann auch den anderen Spielern gegenüber Klartext gesprochen: „Ich wollte da nicht herumeiern oder Lügen verbreiten.“

Dem jüngsten Ärger über Kirschs Aussagen zum Trotz, hat Bethke in den letzten Wochen „den Spaß am Fußball zurückgewonnen“, was er wie folgt begründete: „Bei meinem neuen Verein, dem Hetlinger MTV, gibt es zahlreiche fleißige Helfer. Dort ist es selbstverständlich, dass viele Verantwortliche überall dort, wo Unterstützung benötigt wird, auch mit anpacken – und so habe ich wieder Freude an meinem Hobby.“

Link: SportNord-Bericht vom 01.12.2018 über den Rücktritt von Patrick Bethke beim VfL Pinneberg

Kommentare zum Artikel:
- RE: VfL Pinneberg (tsunami-kalle 03.04.2019 15:31)
- RE: VfL Pinneberg (magic_05 03.04.2019 09:23)
- VfL Pinneberg (Lordlester 02.04.2019 15:49)




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