Kreisklasse 6: Abbruch wegen rassistischer Äußerung
16.11.2009

Am Sonntag wurde die Partie des 16. Spieltages der Kreisklasse 6 zwischen dem Schlusslicht VfW Oberalster II, das seine bisherigen zwölf Partien allesamt verlor, und dem Hoisbütteler SV (9., 17 Punkte) beim Stand von 0:2 nach 55 Minuten abgebrochen. Schiedsrichter Lütfi Bal (vom HEBC) erklärte den Abbruch damit, dass HSV-Akteur Tobias Bornemann eine rassistische Äußerung gemacht haben soll.

SportNord sprach mit Verantwortlichen beider Teams über die Geschehnisse ...


... Nikolaus Bülk, Fußball-Abteilungsleiter bei Oberalster, erklärte:

„In der 55. Minute hat der Schiedsrichter die Begegnung abgebrochen. Auf meine Nachfrage, wieso wir nicht weiter spielen könnten, erklärte der Referee, dass ein Hoisbütteler Akteur eine rassistische Äußerung gegenüber einem unserer Spieler getätigt haben soll. Danach gab es eine kleine Rangelei, bei der zum Glück aber niemand verletzt wurde. Eine Rote Karte verhängte der Unparteiische nicht. Ich warte jetzt erst einmal ab, was der Schiedsrichter in seinem Sonderbericht dem Hamburger Fußball-Verband mitteilen wird. Zum Zeitpunkt des Abbruches stand es 2:0 für Hoisbüttel, und ich bin gespannt, ob es nun wegen eines von Hoisbüttel schuldhaft verursachten Spielabbruches eine 3:0-Wertung für uns oder ein Wiederholungsspiel geben wird!“


... HSV-Coach Andreas Grabert berichtete:

„In der ersten Halbzeit war Oberalster die überlegene Mannschaft, die mehr Eckstöße und die besseren Chancen hatte. Aber durch zwei Sonntagsschüsse von Dennis von Koch und Hamad Firdousi haben wir zur Pause mit 2:0 geführt, obwohl wir eine schlechte Leistung gezeigt hatten. Man kann sich gut vorstellen, wie sich das Oberalster-Team gefühlt hat, als es trotz guter Leistung mit 0:2 zurück lag, weil es seine Chancen nicht genutzt hatte ... Ich sagte unterdessen meinen Spielern in der Kabine, dass sie in der zweiten Halbzeit noch einmal eine Schippe drauflegen müssten, und so sind wir dann auch in den zweiten Durchgang gegangen. Die Oberalster-Spieler haben als vermeintlich unterlegenes Team aber wie die Löwen gekämpft.

In den zehn Minuten nach dem Wiederbeginn haben es einige VfW-Spieler vielleicht etwas mit dem Einsatz übertrieben; schon in der ersten Halbzeit waren einige Akteure mehrmals vom Schiedsrichter ermahnt worden, weil sie ihre Mitspieler etwas zu lautstark angefeuert hatten. In der 55. Minute kam es dann zu einem Zweikampf im Mittelfeld, den unser Spieler mit der Nummer zwei, Tobias Bornemann, gewann. Sein Gegner lief Bornemann aber nach und foulte ihn von hinten. Bornemann war derartig erbost über diese Situation, dass er aufsprang und auf seinen Gegner zulief; beide lieferten sich ein Wortgefecht – ich weiß nicht, was für Worte gefallen sind, jedenfalls gab es dann noch leichte Handgreiflichkeiten mit Schubsen, die laut Bornemann vom Oberalster-Akteur ausgingen.

So kam es zu einer Rudel-Bildung, an der sich viele Spieler beider Teams beteiligten – es wurde ein bisschen geschubst, gab aber keine Schlägerei oder eine andere grobe Unsportlichkeit. Nach etwa zwei Minuten hat sich die ganze Situation beruhigt – aber zu unserer großen Überraschung teilte uns der Schiedsrichter dann plötzlich mit, dass die Partie beendet sei. Auf meine Nachfrage erklärte er: ‚Ich breche das Spiel jetzt ab, weil ihr Spieler mit der Nummer zwei ausländerfeindliche Äußerungen von sich gegeben hat!‘ Ich bin der Meinung, der Schiedsrichter hätte die Möglichkeit gehabt, persönliche Strafen zu verhängen, und die Partie dann weiter laufen zu lassen: Es bestand meiner Meinung definitiv nicht die Gefahr, dass das Spiel total entgleist!

Nach dem Abbruch gab es dann zunächst noch ganz normale Diskussionen, die nach den Geschehnissen durch die Emotionen verständlich waren. Leider wurden wir dann auf dem Weg in die Kabine auch als ‚Nazi-Mannschaft‘ beschimpft ... Als wir in der Kabine waren und einige unserer Spieler noch draußen standen und rauchten, hat der Trainer der Ersten Mannschaft von Oberalster die Stimmung noch einmal ein bisschen angeheizt, in dem er der Meinung war, uns verbal attackieren zu müssen ... Ich möchte der Verhandlung vor dem HFV-Sportgericht nicht vorgreifen, hoffe aber, dass auch dort bedacht wird, dass es viele Gründe für einen Abbruch geben kann, und die Partie nun nicht mit 3:0 gegen uns gewertet wird!“


(JSp)


Kommentare zum Artikel:
- RE: Achso (Nordlicht76 19.11.2009 10:21)
- RE: Spielabbruch wegen rassistischer Äußerung (Derby 18.11.2009 00:38)
- Spielabbruch wegen rassistischer Äußerung (MiDa 18.11.2009 00:22)
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