Lotto-Pokal: Bleiben die Fans „vernünftig“?
06.08.2020

Zaungäste waren die Trainer Berkan Algan (links) und Klaus-Peter Nemet am 30. Mai 2018 beim Aufstiegsrunden-Spiel des FC Teutonia 05 gegen Holstein Kiel II.
Die Möglichkeit, Fußballspiele an der Kreuzkirche verfolgen zu können, ohne dafür die Sportanlage betreten zu müssen, machten sich auch schon bekannte Übungsleiter zunutze – etwa am 30. Mai 2018, als der FC Teutonia 05 in der Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord mit 2:4 gegen Holstein Kiel II mit 2:4 verlor und Berkan Algan, damals noch Trainer von Altona 93, sowie Klaus-Peter Nemet an der Ecke Bleickenallee/Hohenzollernring über den Zaun schauten (siehe Foto).

Gute 26 Monate später findet an der „Kreuze“ zwar kein Aufstiegsspiel zur Regionalliga – diesen Sprung schafften die Teutonen wegen der Corona-Krise ausnahmsweise, ohne dafür gegen Teams aus Schleswig-Holstein, Bremen oder Niedersachsen antreten zu müssen –, wohl aber ein spannendes Lotto-Pokal-Viertelfinale statt. Zum Pflichtspiel-Debüt von Neu-Trainer Achim Hollerieth empfangen die Teutonen ihren zukünftigen Regionalliga-Rivalen FC Eintracht Norderstedt, der schon seit sieben Jahren der Nord-Staffel von Deutschlands vierthöchster Spielklasse angehört. Wenn es für Teutonias Co-Trainer Jan-Philipp Rose, Verteidiger Jannik Mohr und Spielmacher Nick Brisevac zum schnellen Wiedersehen mit ihrem Ex-Verein kommt – bis zum 30. Juni standen sie noch an der Ochsenzoller Straße unter Vertrag –, darf aufgrund der Corona-Beschränkungen nur eine sehr geringe Anzahl an Zuschauern dabei sein. Am Mittwochabend wandten sich die Teutonia-Verantwortlichen nun auf ihrer facebook-Seite mit folgendem Appell an alle Fußball-Interessierten: „Wir bitten alle Fans, die kein Ticket erworben haben, dem Stadion fernzubleiben.“

In der Ersten Bundesliga, in der Zweiten Bundesliga und in der Dritten Liga funktionierte dies, nachdem sie ihren Spielbetrieb im Mai nach der Corona-Zwangspause wiederaufgenommen hatten, erstaunlich gut. Allerdings sind die Stadien von Deutschlands Profi-Vereinen in der Regel bautechnisch auch so angelegt, dass von außen nicht zu sehen ist, was innerhalb der Arena passiert. An der Kreuzkirche ist es, wie nicht nur Algan und Nemet wissen, etwas anders. Auch von der Bushaltestelle Bleickenallee (Kinderkrankenhaus) aus, die von den Buslinien 1 (Richtung Rissen) und 250 (Richtung Neugraben) angefahren wird, ist beispielsweise ein Blick gen Spielfeld möglich. Und kann es einem Eintracht- oder einem Teutonen-Sympathisanten wirklich verboten werden, 90 Minuten lang an der Haltestelle zu stehen?

Für eine andere Vorgehensweise entschieden sich die Anhänger des HSV Barmbek-Uhlenhorst. Sie werden bereits am Sonnabend, 8. August wenn ihre „Lieblinge“ die Viertelfinal-Runde mit dem Gastspiel beim Oberliga-Konkurrenten TSV Sasel eröffnen, im Saseler Park, der an den „Alfred-Mager-Sportpark" angrenzt, grillen. Sollten zahlreiche BU-Anhänger erscheinen, wären ihre Anfeuerungsrufe sicher auch auf dem Platz zu vernehmen. Auf der facebook-Seite der BU-Fanklubs „Barmbeker Füchse“ hieß es dazu: „Da wir fußballbedingte Personalisierung und Sitzplatzzwang kategorisch ablehnen, haben wir uns entschlossen, eine BOLLERWAGEN-TOUR nach Sasel zu machen. Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren. Bier und Grill sind dabei und wir sind irgendwie dann doch dabei, wenn auch von außen ... Treffpunkt ist um 11 Uhr bei Famila Steilshoop, von da geht es dann gemütlich los ... Wer Bock hat, kann sich gerne anschließen, und wer nicht so viel Kraft ins Laufen investieren möchte, kann dann ja im Park am Sportplatz zu uns stoßen ... In diesem Sinne... bis Samstag ... BAMBULE ... RANDALE ... BU ins HALBFINALE!“

Die wenigen Eintrittskarten, die es für das am Sonntag um 14 Uhr anstehende Derby zwischen der SV Halstenbek-Rellingen (Landesliga Hammonia) und dem Oberligisten SV Rugenbergen im telefonischen Vorverkauf zu erwerben gab, waren schnell vergriffen. Anschließend vermeldeten die HR-Verantwortlichen auf ihrer facebook-Seite: „Wir sind ausverkauft. Es hat nicht einmal 45 Minuten gedauert und die Karten für unser Pokal Viertelfinale sind ausverkauft! Leider können wir keine Kartenwünsche mehr für Sonntag entgegennehmen. Deshalb bitten wir Euch nicht weiter unter der Telefonnummer anzurufen. Wir würden gerne allen Fußballfans, die sich für dieses Spiel interessieren, eine Karte anbieten und dem Wunsch, Fußball endlich wieder live zu sehen, entgegenkommen. Aufgrund der Auflagen ist dies leider nicht möglich. Wir freuen uns trotzdem alle, die es geschafft haben eine Karte zu erwerben, am Sonntag auf unserer Anlage zu begrüßen zu können und gemeinsam ein spannendes Pokalderby zu sehen!“

Bleibt im Sinne einer reibungslosen Austragung der Viertelfinal-Partien und vor allem der körperlichen Unversehrtheit aller Beteiligten zu hoffen, dass an keinem der vier Spielorte einzelne Personen oder gar Gruppen versuchen werden, sich gewaltsam Zutritt zu der Sportanlage zu verschaffen. So kritisch es auch zu hinterfragen ist, wieso beispielsweise von den politischen Entscheidungsträgern für die große Tribüne des Halstenbeker Jacob-Thode-Platzes nur 50 Personen zugelassen worden sind, so falsch und traurig wäre es doch, wenn es hier unschöne Szenen gäbe, die möglicherweise sogar einen Spielabbruch oder Verletzte nach sich ziehen könnten. In unschöner Erinnerung ist hierbei übrigens auch noch der 30. Mai 2018, als kurz vor dem Ende des besagten Aufstiegsspiels von Teutonia 05 gegen die U23 von Holstein Kiel zahlreiche Menschen, die wohl zwei verschiedenen Fan-Gruppierungen (Hamburger SV und Holstein Kiel) angehörten, auf den Kunstrasenplatz an der Kreuzkirche stürmten und sich anschließend auch noch außerhalb der Sportanlage Jagdszenen abspielten.

Link: SportNord-Bericht vom 31.05.2018 über das Aufstiegsrunden-Spiel von Teutonia 05 gegen Holstein Kiel II

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