DFB-Pokal: Die Stimmen nach dem Pokal-Hit
27.10.2010

Victorias Roger Stilz (links) und
Josué beharken sich. Foto: JSp
Am Dienstagabend verlor der Hamburger Oberligist SC Victoria Hamburg in der Zweiten Hauptrunde des DFB-Vereinspokals gegen den Bundesligisten VfL Wolfsburg „nur“ mit 1:3 (SportNord berichtete per Live-Ticker, siehe unten stehenden Link). Der Slowake Petar Pekarik mit seinem ersten Pflichtspiel-Tor für die „Wölfe“ (17.), VfL-Kapitän Josué Anunciado de Oliveira (52.) und der Deutsche Nationalspieler Marcel Schäfer (55.) brachten den Deutschen Meister von 2009 mit 3:0 in Führung. Stephan Rahn gelang vor 8.370 Zuschauern im Millerntor-Stadion des Erstliga-Aufsteigers FC St. Pauli in der 71. Minute der Ehrentreffer für „Vicky“, das damit nicht höher als der große Nachbar Hamburger SV am 22. September 2010 im Bundesliga-Duell gegen Wolfsburg verlor! „Schade, dass das 0:1 schon so früh gefallen ist“, ärgerte sich Victoria-Geschäftsführer Ronald Lotz nach dem Abpfiff.


Anschließend gab es auf der Pressekonferenz folgende Statements ...

Der englische VfL-Coach Steve McClaren erklärte zunächst in Deutsch, dann in Englisch:

„Victoria hat es sehr gut gespielt und wirklich gut gemacht. Aber wir haben gewonnen – das war sehr wichtig, und jetzt liegt unser Fokus auf dem Bundesliga-Spiel am Sonnabend gegen den VfB Stuttgart. Ich war enttäuscht, dass wir ein Gegentor kassiert haben, aber die Einstellung meiner Mannschaft war sehr gut. Der Pokal ist sehr wichtig für mich: Jetzt sind es nur noch drei Spiele, die wir gewinnen müssen, um ins Finale einzuziehen, und durch diesen Wettbewerb kann man sich relativ einfach für die Europa-League qualifizieren. Deshalb mag ich den Pokal gerne und es hat ja nicht nur der FA-Cup in England eine sehr große Tradition, sondern auch der DFB-Pokal in Deutschland – deshalb war das Spiel bei Victoria auch definitiv ein sehr wichtiges für mich!

Es war eine sehr gute Partie für uns: Nicht nur, weil wir gewonnen haben, sondern auch, weil alle Spieler, die reingekommen sind, ihre Sache sehr gut gemacht haben. Es war wichtig für mich, andere Spieler zu sehen und ihre Leistungen beurteilen zu können: Cícero, Mario Mandzukic, Alexander Madlung ... Nach der Einwechslung von Karim Ziani haben wir auch ein anderes System gespielt und es war schön zu sehen, dass wir das System variieren können und das Spiel auch nach den drei Wechseln weiter kontrolliert haben. Ein Sieg ist immer wichtig, zumal man im Pokal ja manchmal auch verrückte Ergebnisse erlebt – und das hätte heute auch passieren können. Aber die Mentalität meiner Mannschaft war sehr gut und eine potenziell verrückte Nacht geht für uns jetzt zu Ende!“


... Victorias Meister-Trainer Bert Ehm sagte:

„Erst einmal herzlichen Glückwunsch an Wolfsburg. Darüber, dass der Sieg verdient war, brauchen wir nicht zu reden. Aber wir haben eine gute Leistung geboten, was auch durch die Reaktion der Zuschauer dokumentiert wurde – das konnte sich schon sehen lassen. Ärgerlich war das 0:1, da haben wir geschlummert. Die Wolfsburger sind gut im Abschluss und nach dem 0:2 und 0:3 mussten wir aufpassen, dass wir nicht abgehen. Zum Schluss müssen wir nicht mehr vorne so aggressiv drauf gehen – das war nicht nötig, denn das Spiel war nicht zu drehen, jedenfalls hatte ich diesen Eindruck. Unter dem Strich gab es aber eine positive Resonanz, denn wir haben guten Fußball geboten. Nach dem 0:3 sind wir müde geworden, dann wurde es natürlich auch schwer ...

Deshalb: Hut ab vor der Mannschaft, die sich in den letzten Minuten so gut verkauft hat. Nach einem Traumpass von Sven Trimborn war es natürlich wieder ‚Don‘ Stephan Rahn, der ihn rein macht. Erfreut war ich von der Zuschauer-Resonanz, die war sehr gut. Leider ist das Spiel mit dem 0:1 gekippt, denn bis dahin haben wir sehr gut verteidigt. Es war ein überflüssiges Gegentor, weil der Ball zunächst rechts war und Kim Bumjoon auf der anderen Seite geschlafen hat – und ich glaube Petar Pekarik hat sich selbst darüber erschrocken, dass er den Ball rein gemacht hat ... Im Pokal ist alles möglich – und wenn es zur Pause noch 0:0 gestanden hätte, wären wir vielleicht in der zweiten Halbzeit über uns hinaus gewachsen und hätten möglicherweise die Chance zur Sensation gehabt!

Jonah Asante hat gegen Grafite meiner Meinung nach überragend gespielt; in der Pause klagte er über eine leichte Zerrung, hat aber durchgehalten und bekommt von mir eine eins plus! Michael Meyer ist von der Kraft her weggebrochen und Dennis Theissen, der eigentlich Kraft für 130 Minuten hat, musste ich ebenfalls auswechseln, weil er nach Fouls kurz vor der Roten Karte stand – dadurch haben wir uns nicht unbedingt verstärkt. Im Tor Florian Ludewig statt Dennis Wolf spielen lassen, war eine Bauchentscheidung und der 35-Jährige Ludewig hat gezeigt, dass sie nicht unbedingt verkehrt war. Unseren Kleinen (Anmerkung der Redaktion: Gemeint ist der 1,83 Meter große, 20-Jährige Wolf) müssen wir nun wieder aufbauen, denn ansonsten steht eigentlich er im Tor.

Zudem mussten ja einige Spieler auf die Tribüne (Anmerkung der Redaktion: Die Defensivkräfte Argetim Kaba und Tilman Patsalis, die Mittelfeldakteure Ersin Cavus, Yavuz Kement und Mark Pomorin sowie die Stürmer Jan Geist und Sascha Kremer standen nicht in den 18er-Kader). Wenn ein Profi auf der Tribüne Platz nehmen muss, kriegt er trotzdem Geld – bei uns bekommt ein Akteur in diesem Fall nichts ... Jetzt müssen wir in den Punktspielen genau so stark weiterspielen, denn es ist schon eine bittere Pille, wenn man unsere schlechte Leistung gegen den SC Condor sowie in einigen vorherigen Heimspielen mit der von heute vergleicht. Jetzt müssen wir in der Oberliga endlich wieder kommen und konzentrieren uns auf das Sonnabend-Spiel beim Meiendorfer SV!“


Abschließend betonte Helmuth Korte, Erster Vorsitzender von „Vicky“:

„Ich danke dem FC St. Pauli, dessen Verantwortliche spontan und zu einem guten Kurs bereit waren, uns hier spielen zu lassen. Mein Dank geht auch an den VfL Wolfsburg, der uns auch nach Kräften unterstützt hat, sowie natürlich an unser Team. Wir haben eine einzige Halbzeitkraft bei uns angestellt – der Rest der Arbeit ist auf den Schultern der Ehrenamtlichen liegen geblieben. Ich hätte mich natürlich über den Einzug ins Achtelfinale und eine weitere Runde im DFB-Pokal sehr gefreut, aber wir müssen dann immer in der Geschäftsstelle vor Ort sein: Dort geht kein Anrufbeantworter ran, sondern wir sind für die Menschen, die etwas von uns wollen, da. Dadurch geht es dann bis zum Ende der Kräfte – aber dieses Spiel hat uns alles, was wir investiert haben, wieder gegeben!

Deshalb danke ich der Mannschaft und dem Trainer-Team, denn wir haben uns gegen den Deutschen Meister von 2009 wacker geschlagen. Jeder der Zuschauer kann zufrieden nachhause gehen, egal ob er nun 6 Euro oder 35 Euro bezahlt hat. Dem VfL Wolfsburg wünsche ich weiterhin viel Erfolg – es muss ja nicht immer Bayern München Meister werden, und so groß ist der Rückstand ja noch nicht. Wolfsburg hatte vor diesem Spiel zwei Mal verloren, wir haben nun fünf der letzten sechs Partien verloren – aber jetzt drehen wir den Spieß um! Einige in unserem Verein denken, wenn wir einmal Meister werden, müssen wir immer Meister werden. Ich sage: Wir sammeln uns jetzt und greifen dann mit frischen Kräften wieder an. Für mich war das in 35 Jahren Funktionärstätigkeit der schönste Tag!“


(JSp)

Link: SportNord-Live-Ticker vom 26.10.2010 vom DFB-Pokal-Spiel SC Victoria – VfL Wolfsburg

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