Aktuell: Alle norddeutschen Regionalliga-Bewerber
19.03.2009

Wie SportNord bereits berichtete, bewarben sich beim Deutschen Fußball-Bund 97 Vereine, davon 43 Teams aus den fünften Spielklassen, um eine Zulassung für die Regionalliga in der Saison 2009/2010 (siehe unten stehenden Link). SportNord nimmt nun die Teams aus den Fünften Ligen des Norddeutschen Fußball-Verbandes, die sich um eine Lizenz bewarben, ebenso unter die Lupe wie die Vereine, die trotz sportlicher Erfolge keine Regionalliga-Lizenz beantragten ...


Oberliga Hamburg (3 Bewerber)
Der Spitzenreiter SC Victoria, der zwei Mal in Folge Hamburg-Liga-Meister wurde und im vergangenen Sommer erst in der Aufstiegsrunde den Sprung in die Regionalliga verpasste, beantragte eine Lizenz. „Wir haben ehrgeizige Ziele und wollen mit unseren Mitteln den maximalen sportlichen Erfolg haben“, betont Ronald Lotz, Manager bei „Vicky“. Auch der zweitplatzierte ASV Bergedorf 85 reichte die Lizenz-Unterlagen ein. „Das sind wir unseren vielen jungen und ambitionierten Spielern schuldig“, erklärte 85-Manager Rüdiger Schwarz gegenüber SportNord.

Die Bergedorfer „Elstern“ würden im Aufstiegsfall so, wie in dieser Saison Altona 93, ihre Regionalliga-Heimspiele im Victoria-Stadion an der Hoheluft austragen. Weil für den Meiendorfer SV ein Umzug nach Eimsbüttel „nicht infrage kam“ (MSV-Manager Jens Malcharczik), verzichtete der Rang-Dritte ebenso wie der viertplatzierte TSV Buchholz 08 auf eine Beantragung der Regionalliga-Lizenz. Dritter Bewerber ist der Rang-Fünfte FC St. Pauli II: „Ja, wir haben eine Lizenz beantragt“, betonte Alexander Eick, Organisatorischer Leiter des Nachwuchsleistungszentrums des Kiez-Klubs.


Schleswig-Holstein-Liga (2 Bewerber)
Groß war die Überraschung, als der DFB bekannt gab, dass aus dem nördlichsten Bundesland zwei Fünftligisten Regionalliga-Ambitionen haben. Dass der SH-Liga-Spitzenreiter KSV Holstein Kiel II sich um eine Regionalliga-Lizenz bemühen würde, war klar. Allerdings dürfen die „Jung-Störche“ nur aufsteigen, wenn zugleich die Erste KSV-Mannschaft aus der Regionalliga Nord, wo sie momentan Tabellenführer ist, in die Dritte Liga aufsteigt. Wer aber sollte der zweite Bewerber aus dem Land zwischen den Meeren sein?

Reinhard Kuhr, Manager der zweitplatzierten FT Eider Büdelsdorf, sagte klipp und klar: „Wir haben keine Lizenz beantragt, weil wir leider kein regionalliga-taugliches Stadion haben!“ Dieses Problem hatte auch der Rang-Dritte SV Henstedt-Rhen. SVR-Coach Jens Martens schloss einen Umzug ins benachbarte Stadion des Hamburger Oberligisten Eintracht Norderstedt, in dem momentan der Hamburger SV II seine Regionalliga-Heimspiele absolviert, kategorisch aus: „Unser Verein hat einfach nicht die Voraussetzungen für die Regionalliga!“

Herbert Sander, Präsident des viertplatzierten VfR Neumünster, über dem noch immer das Damoklesschwert der Insolvenz schwebt, hatte eine Regionalliga-Bewerbung schon frühzeitig ausgeschlossen. Auch beim Rang-Fünften Heider SV war das Beantragen der Regionalliga-Lizenz „kein Thema“, wie Karl-Heinz Struckmann betonte. Der Heider Obmann erinnert sich zwar „gerne in früheren, höherklassigen Zeiten“, weiß aber auch: „Die Anforderungen, die der DFB an Regionalligisten stellt, können wir nicht erfüllen!“

Des Rätsels Lösung: Der Tabellen-Neunte VfB Lübeck II wurde beim DFB automatisch als Regionalliga-Bewerber mitgeführt, weil die Erste Mannschaft der Lübecker in der Regionalliga spielt und eine Lizenz beantragte. „Für unser Reserve-Team haben wir keine Regionalliga-Lizenz beantragt“, betonte VfB-Geschäftsführer Dietmar Hirsch zwar. Manuel Hartmann vom DFB klärte auf Nachfrage von SportNord jedoch auf: „Bei allen Regional- und Drittligisten wird die Zweite Mannschaft, so sie denn in der fünfthöchsten Spielklasse spielt, automatisch als Bewerber mit aufgenommen!“


Bremen-Liga (1 Bewerber)
Großes Rätselraten herrschte wie in Schleswig-Holstein zunächst auch an der Weser: Welcher Klub hat eine Regionalliga-Lizenz beantragt? „Wir waren es nicht“, erklärten Christian Kudla und Raphael Riekers, die Manager vom souveränen Spitzenreiter Brinkumer SV, unisono. Beim zweitplatzierten FC Bremerhaven winkte Till Oliver Becker, der sich um die Internet-Seite des Klubs kümmert, ab: „Wir konnten leider unser Stadion-Problem, an dem unsere Regionalliga-Bemühungen schon im vergangenen Jahr scheiterten, nicht lösen!“

Beim Ortsrivalen OSC Bremerhaven, momentan Rang-Dritter, gibt es immerhin Regionalliga-Ambitionen: „Wir wollen uns voraussichtlich im nächsten Jahr um eine Regionalliga-Lizenz bemühen“, betonte Friedhelm Erlach – der Fußball-Abteilungsleiter sagte aber auch: „In diesem Jahr war die Regionalliga kein Thema für uns!“ Gleiches gilt für den viertplatzierten Bremer SVDieter Röhrich, beim Traditionsverein vom Panzenberg als Betreuer tätig, betonte: „Wir haben keine Regionalliga-Lizenz beantragt, weil die Auflagen für uns zu hoch waren!“

Ähnlich wie in Schleswig-Holstein liegt des Rätsels Lösung auch an der Weser bei einem Reserve-Team, beziehungsweise bei einer Dritten (!) Mannschaft, um es genau zu sagen. Der SV Werder Bremen III, momentan nur Tabellen-Siebter, wurde vom DFB als Regionalliga-Bewerber mit aufgeführt, weil die Werder-Verantwortlichen für ihre Zweite Mannschaft, die in der Dritten Liga momentan als Drittletzter auf einem Abstiegsplatz steht, auch eine Regionalliga-Lizenz beantragten. „Diese Lizenz wäre dann auch für die Dritte Mannschaft gültig“, erklärte DFB-Vertreter Hartmann.


Oberliga Niedersachsen-West (3 Bewerber)
Die „großen Drei“ haben geschlossen eine Regionalliga-Lizenz beantragt. Der Spitzenreiter VfB Oldenburg hat allerdings das Problem, dass es im städtischen Marschweg-Stadion kein regionalliga-taugliches Flutlicht gibt. Aufgrund der Nähe der Arena zur Autobahn ist es zudem fraglich, ob das Bauamt der Installation einer neuen Flutlicht-Anlage zustimmen würde. Und das Stadion des Liga- und Lokalrivalen VfL Oldenburg an der Alexanderstraße ist definitiv nicht regionalliga-tauglich. Der zweitplatzierte SV Eintracht Nordhorn hat ebenfalls für die Regionalliga gemeldet.

Eintracht-Geschäftsführer Uwe Wolf ist jedoch „alles andere als euphorisch“ und gab zu, dass ein Fünftel des 700.000-Euro-Etats, mit dem die Grafschafter für die Regionalliga planen, noch nicht gedeckt wäre. Die Insolvenz des benachbarten Handball-Bundesligisten HSG Nordhorn dient als abschreckendes Beispiel. Der Rang-Dritte SV Meppen kalkuliert seinerseits mit einem Etat von etwa 750.000 Euro. Der frühere Zweitligist ist schuldenfrei, nachdem die Stadt Meppen Teile (!) des Stadions (Vivaris Arena Emsland) erwarb, und dafür rund 600.000 Euro auf das SVM-Konto überwies.


Oberliga Niedersachsen-Ost (2 Bewerber)
Der souveräne Spitzenreiter Goslarer SC 08/Sudmerberg hat eine Regionalliga-Lizenz beantragt. Kurios: Weil das Goslarer Osterfeldstadion die Regionalliga-Anforderungen des DFB definitiv nicht erfüllt, und die Stadt Goslar sich nur mit einer kleinen Summe an den Sanierungskosten beteiligen wollte, haben die GSC-Verantwortlichen das Günther-Volker-Stadion der Stadt Celle (hier absolviert normalerweise der Staffel-Rivale TuS Celle FC/11. seine Heimspiele) dem DFB als Spielstätte genannt. Die Stadt Celle zeigte sich am Regionalliga-Fußball interessiert.

Der DFB wird neben dem Celler Stadion auch das Osterfeldstadion in Augenschein nehmen – und es gilt auch zu prüfen, ob die Entfernung zwischen Goslar und Celle (über 100 Kilometer) als zumutbar einzuschätzen ist. Eine Alternative für die Goslarer wäre das Wolfsburger VfL-Stadion am Elsternweg (etwa 80 Kilometer entfernt) – in der früheren Bundesliga-Spielstätte trägt aktuell der VfL Wolfsburg II seine Regionalliga-Heimspiele aus. Auch der Rang-Fünfte TSV Eintracht Braunschweig II wird vom DFB, aus den besagten Gründen, als Regionalliga-Bewerber geführt.

(JSp)

Link: SportNord-Bericht vom 19.03.2009 über 97 Regionalliga-Bewerber für die Saison 2009/2010

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